Dementenbetreuung

Wiler Zeitung, 23. Februar 2013

 

Wieder einmal tief durchatmen

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Während 454 Stunden betreuten Elisabeth Tobler und Tamara Schmidt im vergangenen Jahr demente Klienten zu Hause. (Bild: zVg)

An Demenz erkrankte Angehörige zu Hause pflegen: Das braucht viel Kraft und Geduld. Sich eine Auszeit zu gönnen ist für Betroffene meist keine einfache Sache. In Flawil aber ist dies möglich: Die Spitex bietet seit einem Jahr Unterstützung.

 

FLAWIL. Niemand wünscht es sich, und trotzdem trifft es viele: eine Erkrankung an Demenz. Ist ein Angehöriger davon betroffen und wird er zu Hause betreut, stossen die Betreuenden oft an körperliche und seelische Grenzen. Dann sind sie auf Unterstützung angewiesen. Seit etwas mehr als einem Jahr bietet die Spitex diese Unterstützung an. Ausgebildete Fachfrauen betreuen an einer Demenz erkrankte Personen zu Hause und entlasten damit gleichzeitig die betreuenden Angehörigen. «Eine gute Sache», sagt eine Flawilerin, die während dreier Jahre ihren Mann, der an vaskulärer Demenz (siehe Kasten) erkrankte, zu Hause betreute. Und dabei auch auf die Hilfe von Spitex-Fachfrauen zählte. Heute wird ihr 75jähriger Gatte im Wohn- und Pflegeheim betreut. Der Weg dahin war aber lang, beschwerlich und von vielen emotionalen Momenten geprägt.

In guten Händen

Sie sitzt in ihrer gemütlichen Stube. Der Blick frei auf die Natur. Nein, nie hätte sie gedacht, dass ihren Mann jemals eine solche Krankheit treffen würde. Ihren Gatten, einen aktiven, am Leben interessierten Mann. Sie erinnert sich: «Als ich die Diagnose bekam, war ich froh, dass jemand klar sagte, was los ist.» Was aber nachher folgte, war belastend. Ihr Mann wurde vergesslich, unruhig. «Ich musste Angst haben, dass er fortläuft. Also musste ich ihn einschliessen.»

Dann habe sie vom neuen Angebot der Spitex Flawil gelesen. Sich erkundigt und entschieden, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Ein- bis zweimal pro Woche nachmittags. Mit der Zeit kam die Betreuerin dreimal pro Woche, jeweils von 14 bis 16 Uhr. Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Frau: «Das gab mir die Möglichkeit, einfach einmal ruhig zu schlafen, durchzuatmen.» Oder Schreibarbeiten zu erledigen. Oder ein Buch zu lesen, einen Spaziergang zu machen. Und dies alles, ohne sich Sorgen machen zu müssen: «Denn ich wusste meinen Mann in guten Händen.»

454 Stunden im Einsatz

Diese Hände gehören Elisabeth Tobler, einer ausgebildeten Betagtenbetreuerin, die zusammen mit Tamara Schmidt im vergangenen Jahr während 454 Stunden demente Klienten zu Hause betreute. Sie weiss, dass die Angehörigen viel Kraft und Geduld brauchen bei der Pflege eines an Demenz erkrankten Familienmitglieds. Sie anerkennt: «Es ist gewaltig, was Angehörige leisten.» Und sie weiss auch, dass viele Angehörige lange warten, so lange, dass sie an Grenzen stossen, müde werden und erst dann Hilfe holen. In dieser Phase kommt das Angebot der Spitex zum Tragen. Dieses wird ideell und finanziell unterstützt von der Stiftung des Wohn- und Pflegeheims (WPH) Flawil, die im WPH Wohngruppen für Menschen mit Demenz führt. Dort erfährt nun auch der an vaskulärer Demenz erkrankte 75jährige Flawiler eine liebevolle Betreuung. Seine Frau wird nachdenklich, als sie vom Umzug erzählt. Traurigkeit schwingt in ihrer Stimme mit. «Ich vermisse ihn schon.» Dann schaut sie Elisabeth Tobler an und dankt ihr: «Jedes Mal, wenn ich meinem Mann gesagt habe, dass Elisabeth Tobler kommt, hat er sich gefreut.» Das wiederum freut die Betreuerin, für die die Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen «sehr erfüllend» ist. (mb.)

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