Neues Wohnen wird konkret

Wiler Zeitung: 23. Dezember 2015, 02:35 Uhr

«Neues Wohnen» wird konkret

 

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Elmar Metzger Gemeindepräsident Flawil und Jurymitglied Projektwettbewerb (Bild: pd)

Nun steht fest, wie die altersgerechten Wohnungen auf dem Areal des ehemaligen Hotels Bahnhof-Post in Flawil aussehen sollen. Noch hängig ist der vom Kanton gutgeheissene Rekurs. Die Besitzer der Liegenschaft hoffen auf eine Einigung.

DONAT BEERLI

 

FLAWIL. 2015 hätte das Projekt «Neues Wohnen in der alten Post» Wirklichkeit werden sollen. Schon länger hatte das Wohn- und Pflegeheim Flawil auf der Parzelle im Kreuzungsbereich von Bahnhofstrasse und Bahnhofplatz einen Neubau für betagte Menschen sowie für jüngere Pflegebedürftige geplant.

Aufgrund einer Einsprache gegen den Gestaltungsplan bzw. eines weitergezogenen Rekurses an den Kanton verzögerte sich das Ganze jedoch. Hauptstreitpunkt war die Fassadengestaltung des damaligen Projekts.

Wettbewerb als Problemlösung

Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation des Kantons St. Gallen gab dem Rekurrenten insofern recht, als dass es dem Projekt die geforderte «städtebauliche Vorzüglichkeit» absprach. Diese ist gemäss Baugesetz Voraussetzung für die Genehmigung von Gestaltungsplänen. «Städtebauliche Vorzüglichkeit» sei schwierig zu definieren, sagt Urs Huber, Präsident der «Stiftung für Wohnungen mit Pflegeangebot». Die Stiftung ist Bauherrin und hatte die Liegenschaft und das dazu- gehörende Projekt vom Wohn- und Pflegeheim Flawil übernommen. Die Einsprache sei ein Rückschlag gewesen, doch der Kanton habe sowieso zusätzliche Angaben zur äusseren Gestaltung des Baus verlangt, sagt Huber. «Er hätte das ursprüngliche Projekt nicht bewilligt.» Um das Bauvorhaben nicht zu gefährden, lancierte die Stiftung einen Projektwettbewerb, wobei die Vorschläge der Teilnehmer der «städtebaulich vorzüglichen Gestaltung» gerecht zu werden hatten. Zur Aufgabenstellung gehörten die Gestaltung der Gebäudefassaden und die Planung des Innenraums.

Wo der Neubau stehen wird, dessen Form und Grösse – diese Punkte wurden in der Einsprache nicht bemängelt und waren deshalb auch nicht Bestandteil des Wettbewerbs. Gewonnen hat ein fünfgeschossiger Baukörper mit Flachdach, in dessen Erdgeschoss ein Restaurant mit Arkade gegen den Bahnhofplatz sowie ein Ladenlokal untergebracht sind. In den oberen vier Etagen werden 31 Zweieinhalb- und Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen erstellt. «Wir sind überzeugt, dass wir mit dem neuen Projekt einen grossen qualitativen Schritt gemacht haben», sagt Huber.

Dieser Meinung ist auch Gemeindepräsident Elmar Metzger, der wie Huber in der Jury des Projektwettbewerbs sass. «Das Siegerprojekt kombiniert städtebauliche Merkmale mit den gewachsenen ländlichen Strukturen von Flawil.»

Alte Idee war nicht städtisch

Metzger räumt ein, dass er zu Beginn skeptisch gewesen sei gegenüber dem Wettbewerb. «Jetzt kann ich aber mit Überzeugung sagen, dass es sich gelohnt hat.» Man habe nun ein Projekt, das zu Flawil passe. Passte denn die ursprüngliche Idee nicht zu Flawil? «Jedenfalls war das erste Projekt nach Meinung des Kantons nicht städtebaulich vorzüglich», sagt Metzger. Der Einsprecher dürfe sich also in seiner Haltung bestätigt fühlen. Ziel des Wohnprojekts ist es, älteren Menschen ein Zuhause zu bieten, das sie im Falle einer Pflegebedürftigkeit nicht verlassen müssen. «Die Wohnung soll sich mit dem Bewohner entwickeln», sagt Urs Huber.

Will heissen, dass eine Wohnung je nach Gesundheitszustand des Bewohners angepasst werden kann. Dazu zählt der Beizug von Pflegepersonal. «Wie wir das personell regeln, ist noch nicht klar», sagt Huber. Der Stiftungsrat plant zudem, das Restaurant als Ort mit geschützten oder integrativen Arbeitsplätzen zu führen. Konkret sei aber noch nichts. Bereits jetzt gibt es über 100 potenzielle Bewohner, die sich für ein Leben im geplanten Neubau interessieren. Diese müssen sich aber vorerst noch gedulden.

Der Flawiler Gemeinderat hat den Beilageplan, auf dem insbesondere die neue Fassadengestaltung definiert ist, zwar verabschiedet, jedoch unterliegt dieser ab Mitte Januar einer Einsprachefrist von einem Monat. «Parallel dazu arbeiten wir an einer Lösung mit dem Einsprecher», sagt Urs Huber. Man habe jedoch positive Signale erhalten und sei zuversichtlich, dass es zu einer Einigung komme.

Baubeginn im Frühling 2017

Ansonsten müsste das kantonale Baudepartement entscheiden, ob der Neubau mit seiner heutigen Erscheinung die städtebauliche Vorzüglichkeit ausweist. Gemäss Gemeindepräsident Elmar Metzger wurde das neue Projekt bei den Kantonalen Stellen bereits präsentiert. Diese hätten die städtebauliche Vorzüglichkeit nun ebenfalls bestätigt. Als Baubeginn ist aktuell Winter bzw. Frühling 2017 eingeplant. «Vorausgesetzt, es gibt keine Einsprachen gegen den Beilageplan», fügt Urs Huber an.

Bezüglich Bauzeit rechnet der Stiftungsrat mit zwei Jahren. Ursprünglich waren 15 Millionen Investitionskosten für das Projekt budgetiert. Durch die Verzögerung, aber vor allem wegen der neuen Gestaltung des Baus (mehr Wohnungen) müsse man aber mit höheren Kosten rechnen, sagt der Präsident.

 

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